Letztes Feedback

Werbung

Gratis bloggen bei
myblog.de

Malische Hochzeit

Ich hatte das Glueck an einer malischen Hochzeit teilzunehmen. Geheiratet hat ein ehemaliges Maedchen aus dem Zentrum Jigiya Bon, die hier ihre Krankenschwesterausbildung gemacht hat. Sie heisst Djenebou. Morgens ging es recht frueh los, bei ihrer Familie im Hof. Es waren schon unglaublich viele Menschen da, es wurden Fotos mit der Braut gemacht. Die Frauen waren unglaublich zurechtgemacht, die schicksten Klamotten, Glitzerliedschatten, nachgemalte Augenbrauen, hohe Schuhe, Glodschmuck, etc. Es war eine riesige, bunte Menschenmenge, die sich schon um 9 in den Hof gequetscht hat. Der "Griot", das ist so eine Art Animateur, und eine Frau, die gesungen hat sind auch schon angekommen. Diese zwei sind unentbehrlich fuer eine Hochzeit, wurde mir gesagt. Danach ging der ganze Zug los, zu einer Art Standesamt. Das Paar wurde dort getraut, waehrend wir draussen gewartet haben. Die Fahrt dorthin war schon an sich abenteuerlich, die Autos waren absolut ueberfuellt und jeder wollte der Schnellste sein, weshalb es oft recht abenteuerliche Ueberholmanoever gab. Nach der Trauung ging es dann zu der Familie des Mannes. Dort bekam das Paar noch den Segen von dem maennlichen Teil der Familie und es wurden Bilder mit der ersten Frau des Mannes gemacht. Es muss ein komisches Gefuehl sein, auf einmal nicht mehr die einzige Frau zu sein und den Platz mit einer zweiten teilein zu muessen. Der erste Tanz des frisch verheirateten Paares war auch sehr anders als in Deutschland, es wurde zu Trommelmusik getanzt und eben ueberhaupt nicht klassisch, sondern mit Hueftschwung und einer Menschenmasse, die auch nicht mehr an sich halten konnte und mit eingefallen ist. Danach wurden noch einige Freunde besucht, wo das Paar jeweils noch gesegnet wurde. Die Feier danach wurde unter einem grossen Zelt mitten auf der Strasse abgehalten, das komplett ueberfuellt war. Allerdings habe ich die Braut bis zum Abend nicht mehr gesehen, die ganzen Festlichkeiten sind fuer die Gaeste bestimmt. Die Saengerin singt nacheinander fuer die Brautjungfern und der Griot gibt eben auch seine Kommentare ab und haelt seine Reden. Dazu gibt es Musik und es wird getanzt. Wir aus dem Zentrum waren mit der "1. Brautjungfer" da. Fuer sie wurde als erstes gesungen. Dabei wird ihr dann von allen Seiten Geld zugesteckt, dass ist hier Tradition. Sie hat das Geld dann aber auch an die Saengerin und den Griot weitergegeben. Der Text der Gesaenge besteht eigentlich nur aus Lobpreisungen, wie gross und toll sie ist. Nach und nach wird so fuer die wichtigen Leute gesungen und eben die Menschen unterhalten. Das Essen gab es in grossen Plastikschuesseln, wo wir uns zu ca 5. drum rum gesetzt haben. Gegessen wurde auch mit der Hand. Das Problem bei Hochzeiten ist aber oft, dass Nachbarn und andere Leute sich einfach ne Schuessel mit Essen mitnehmen, um ihre Kinder zu fuettern, sodass nicht alle Gaeste genug zu essen haben. Wir haben uns danach ein wenig an die Seite gesetzt um dem Trubel ein bisschen zu entgehen. Auffaellig fand ich aber, dass eigentlich nur Frauen da waren. Auf meine Frage hin, wurde mir gesagt, dass Hochzeiten halt Frauensache ist und die Maenner eher zu Hause bleiben. Naja, auch gut...Die Feier unter dem Zelt hat sich dann bis zum Abend hingezogen, bis wir wieder zu der Familie der Braut gegangen sind. Dort wurde in einem kleinen Raum auf einer Kalebasse getrommelt und traditionelle Lieder gesungen. Es war heiss wie in einer Sauna, weil so viele Leute sich in den Raum gequetscht haben. Es wurde dann noch abend gegessen. Dann habe ich die Braut wieder gesehen, gewaschen, ohne Schminke und Hochzeitskleid, in einem traditionellen, einfachen Kleid. In einem Zimmer war ein kleiner Topf mit Kraeutern, ueber den sie sich gestellt hat, waehrend von Mutter und 1. Brautjungfer und noch 2 anderen Frauen Gebete gesprochen wurden. Die Braut wird dann traditioneller Weise von der Schwester des Mannes aus dem Haus gefuehrt. Sie traegt einen Schleier, der ihren Kopf bedeckt. Kurz bevor sie das Haus verlaesst, wird sie von der Frau ihres Bruders versucht aufzuhalten. Sie sagt, dass Djenebou den falschen Mann gewaehlt hat und es ist an der 1. Brautjungfer dagegen zu argumentieren. Dann ging es zu ihrem neuen Haus, bzw. Zimmer. Das ist noch leer, bis auf eine Matte am Boden und ein Mosquitonetz. Dort zieht sich die Braut wieder um, ein ganz schlichtes weisses Gewand, setzt sich auf das Bett und wartet auf ihren Mann. An dem Punkt war die Hochzeit fuer uns vorbei, ich war fast 12 Stunden da. Nach der Tradition bleibt die Braut eine Woche auf dem Zimmer, darf es nicht verlassen und traegt auch immer das weisse Kleid. Sie darf allerdings Besuch empfangen. Wir waren nach einer Woche nocheinmal da. Sie hat auch in dem Sinne Glueck, dass ihr Mann genug Geld hat, dass sie nicht in der gleichen Wohnung wie die 1. Frau leben muss. Jede hat ihr eigenes Zimmer in einem anderen Hof.

Ich muss sagen, dass diese Hochzeit total anders ist, als alles, was ich sonst ueber Hochzeiten kenne. Es ist bunt, laut, voll und garnicht so wie das strenge, traditionelle, foermliche, feierliche, dass ich sonst erlebt habe. Es ist definitiv Geschmackssache, aber es war eine tolle Erfahrung und ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte!

26.12.14 18:08, kommentieren

Werbung


Meine Oma als Konkurrentin?!

Ich werde von vielen Leuten gefragt:"Und? Wie ist Afrika so?". Was soll ich denn darauf antworten? Erstmal kann ich nichts ueber ganz Afrika sagen! Ich bin in Mali, was sich von der Kultur und den Traditionen von vielen anderen afrikanischen Laendern total unterscheidet. Ich kann auch nicht einfach antworten:"Gut", dafuer ist Mali viel zu komplex! Ich kann diese Frage nicht beantworten, es ist einfach viel zu schwierig! Selbst die kleinsten Sachen sind schon so vielschichtig und kompliziert. Hierzu ein Beispiel: Ich habe mich anfangs immer gewundert, warum mich so viele Leute nach meinem malischen Namen gefragt haben, der im uebrigen Fatoumata Sidibé lautet. Bis mir dann aufgegangen ist, dass die Nachnamen zeigen, zu welcher Ethnie man gehoert. In Mali gibt es unglaublich viele verschiedene Ethnien, die aber zum Glueck ziemlich friedlich und problemlos nebeneinander leben. Aber es ist ganz genau festgelegt, welche Ethnie sich ueber die andere Ethnie lustig machen darf. Welche Ethnie mit der anderen Ethnie verwandt ist, wer Cousine und Cousin ist und unter welchen Ethnien nicht geheiratet wird. Und das wird wirklich ernst genommen! Ich gehoere zu den Peul. Ueber die sagt man, dass sie super neugierig sind und immer das machen, was sie nicht sollen. Wenn man ihnen also sagt, dass sie genau den einen Punkt an der Wand nicht anfassen sollen, werden sie genau diesen Punkt anfassen. Ausser den Sidibés gehoeren auch noch die Sangarés, die Diakités und die Diallos zu den Peul. Wir sagen, dass sie urspruenglich von der gleichen Mutter abstammen und wie Brueder und Schwestern sind und trotzdem ein wenig anders. Die anderen Ethnien sagen dann: Wenn ihr alle von der gleichen Mutter stammt, muss dass aber eine Frau gewesen sein, die sich ziemlich rumgetrieben hat, denn da ihre 4 Kinder alle unterschiedliche Nachnamen tragen, muessen sie ja auch von 4 verschiedenen Maennern sein. Genau so machen sich die Peul ueber die anderen lustig. Es ist aber genau festgelegt, was man sagen darf. Ich kenne nicht einmal einen Bruchteil davon. Aber es zeigt den gewuenschten Effekt. Selbst wenn man neu irgendwo hinkommt und keinen kennt, sobald sie deine Ethnie wissen, wird sich ueber dich lustig gemacht oder sich mit dir verbuendet, sodass sofort ein Gespraechsthema da ist. Und es vermeidet wirklich auch die ernsten Konflikte. Selbst wenn 2 Maenner einen Motorradunfall hatten und fuchsteufelswild beim Polizisten sitzen, wenn der Polizist die Namen nennt und die zwei Maenner sind von zwei Ethnien, die Cousins sind, ist die Sache vergessen.

Aehnlich ist es bei Familienverhaeltnissen. Dein Grossvater ist gleichzeitig dein Ehemann, was deine Grossmutter zu deiner Konkurrentin macht, als zweit-verlobte besteht da Wettbewerb. Die Brueder deines Vaters sind auch deine Vaeter und die Frauen der Brueder deines Vaters sind alle deine Muetter. Ich hab hier auch schon so viele Schwestern und Brueder und Kinder und Maenner gefunden! Das ist so, dass sich Weisenkinder nicht familienlos fuehlen. Und mit diesen Familienverhaeltnissen und Ethnien ist eine riesige Scherzkultur aufgebaut worden, mit der das erste Kontakteknuepfen total einfach wird, ernstere Probleme vermieden werden oder eben der Anfang und das Ende eines ernsten Gespraeches bilden. Das alles ist aber so komplex und bis ins genauste Detail geregelt, dass man hier schon geboren sein muss um das alles zu wissen und zu verstehen. Interessant ist es aber allemal!

Ansonsten hat der Jahreszeitenwechselt jetzt richtig begonnen, nachts und morgens ist es deutlich kuehler, was leider auch eine riesige Erkaeltungswelle mit sich gebracht hat. Fuer meinen Geburtstag war ich auf einem tollen Konzert, dass von einer Frauengruppe aus dem Norden Malis organisiert wurden, mit den unterschiedlichsten Kuenstlern, unterschiedlicher Musik und sogar einer kleinen Modeshow, in der fuer jede Region Malis ein Outfit praesentiert wurde. Das alles hat mit wirklich sehr sehr gut gefallen!

Wie man sehen kann geht es mir prima

 

 

 

7.12.14 12:59, kommentieren