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Freiheit?!

Ich habe mittlerweile von vielen gehört, dass sie Afrika vorallem mit freiheit verbinden! Ich muss sagen, dass ich diesen Eindruck leider nicht bestätigen kann. In Mali zumindest sehe ich die Freiheit nicht. Natürlich gibt es weniger Regeln und man kann vieles machen, dass in Deutschland undenkbar wäre. Zum Beispiel ohne Helm Mofa fahren, im Auto unangeschnallt sitzen, sich zu 4. auf die Rückbank quetschen oder dem Polizisten, der einen angehalten hat mal eben schnell 1000 Franc in die Hand drücken und dann weiterfahren. Das kann man vielleicht als eine Art Freiheit bezeichnen, aber andererseits ist der gesellschaftliche Druck unglaublich hoch. Man darf ja nicht vergessen jemanden zu Grüßen oder die traditionellen Formeln zu sagen. Es gibt immer die gleichen Rituale, wenn ich jemanden begrüße. Es gibt sehr viele Dinge, die schlecht gesehen werden. Wenn ich zum Beispiel Röcke tragen würde, die kürzer als mein Knie sind oder barfuß laufe. Dann schimpfen die Mädchen immer mit mir :D für Frauen gibt es sowieso kaum Freiheit, da ist zu viel verboten und zu viel Kontrolle für. Klar ist Mali groß und die Landschaft kann auch wirklich bezaubernd sein, aber dann sehe ich wieder die riesigen Müllberge und die Armut und sehe wieder wie kaputt das Land eigentlich ist, mit seiner korrupten Elite und solchen Dingen. Trotzdem geht es mir hier gut, die letzte zeit war recht turbulent, Ruth Hoffer und Gunthard Weber waren da, ohne die es dieses Projekt nicht gäbe! Es war auch die 10-jährige Geburtstagsfeier von Jigiya Bon, die mit den Patenkindern, Externen, unseren Mädchen im Zentrum und deren Familien, ebenso wie mit Offiziellen und Ehemaligen gefeiert wurde. Es gab gutes Essen, es wurden Reden gehalten, Tänze aufgeführt, getrommelt, etc. Es war eine wirklich schöne Feier! Noch kurz zum Thema Ebola. Es gab bis jetzt 5 Todesfälle in Mali, die Ursache war ein Imam aus Guinea, der hier in Bamako behandelt wurde. Es sind momentan ca 300 Menschen unter Beobachtung und eine Klinik ist geschlossen. Man muss einfach abwarten, wie sich das weiter entwickeln wird. Ansonsten freue ich mich, weil es jetzt morgens und nachts nicht mehr so heiß ist! Es ist eine unglaubliche Erleichterung! Ich vermisse natürlich meine Freunde und Familie, aber es ist eine richtige turbulente und interessante Erfahrung hier, die ich sehr genieße!

21.11.14 14:29, kommentieren

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Von der Kirche...

Ich finde es wirklich schwierig einen Anfang zu schreiben, deswegen fange ich einfach mal an von meinen Erfahrungen mit der Kirche zu berichten. Wer mich kennt, weiss, dass ich eigentlich nicht der grosse Kirchengaenger bin, aber hier wollte ich mir das mal anschauen. In der Kirche sitzen Maenner und Frauen getrennt auf zwei Seiten und es ist unglaublich heiss! Es gibt zwar Deckenventilatoren, aber es sind einfach viele Menschen da. Wenn man in die Kirche reinkommt, wird erstmal Handdesinfektionsmittel ausgeteilt, wegen Ebola im Moment. Die Leute singen und tanzen und es ist unglaublich schoen. Es gibt allein 3 Choere, hauptsaechlich aus Frauen bestehend. Der Gottesdienst faengt an, indem alle aufstehen und gemeinsam Lieder singen, auf Bambara. Sehr viele Lieder! Und dabei koennen die Frauen kaum stillhalten und tanzen und es sind auch eher froehliche Lieder, was ich persoenlich besser finde, als immer nur die ernsten Kirchenlieder, die ich so kenne. Die Lieder werden mit Trommeln, Schlagzeug, Rasseln und Gitarren begleitet, es hat schon fast Konzertcharakter. Es ist eine sehr freundliche, geloeste und ausgelassene Stimmung, was auch daran liegen mag, dass einfach sehr viele Menschen in einer Kirche sind, die es auch ernst meinen und nicht nur gehen, weil grad ein Feiertag ist. Nach den Gesaengen wird der Gottesdienst von 2 Offiziellen eroeffnet, einer spricht auf Franzoesisch und der andere uebersetzt auf Bambara. Es werden Annoncen vorgelesen, welche Familie ein neues Baby bekommen hat, oder wann von der Kirche aus organisiert Konzerte oder Klassen stattfinden. Dann stehen alle Neuen auf und stellen sich vor, wie man heisst und wo man herkommt. Ich finde es eigentlich eine schoene Sache, weil die Leute einen danach kennen und es wie ein Willkommen in der Gemeinde ist. Die Choere singen dann noch ihre Lieder und danach werden alle Kinder aus der Kirche geschickt, weil dann die Predigt beginnt. Ich denke, dass es garnicht so schlecht ist, weil wenn man mal ehrlich ist, langweilen sich die Kinder dabei und verstehen auch garnicht wirklich, was gesagt wird. Der Pfarrer in dieser Kirche ist unglaublich! Ich habe selten einen Mann mit so viel Leidenschaft sprechen hoeren, der seine Worte so sehr glaubt und weitergeben will. Er laeuft hin und her und schreit und gestikuliert! Er kann normalerweise die Uebersetzung auf Bambara kaum abwarten und faengt schon mittendrin an weiter zu reden. Er ist wirklich sehr passioniert und meint auch was er sagt. Man muss diesen Mann eigentlich in Aktion erlebt haben, um sich das wirklich vorzustellen. Aber auch wenn gebetet wird, sprechen alle Leute vor sich hin, sodass die Kirche von dem gemurmel wirklich erfuellt ist und wer will kann auch laut ins Mikrofon beten und um etwas bitten ( der ganze Gottesdienst ist mit Mikrofonen, denn wie gesagt, es sind viele Leute da!!). Mir gefaellt die Kirche hier wirklich besser, denn ich denke mir, dass die froehliche und leidenschaftliche Atmosphaere Gott eher noch gefallen wuerde, als das eher ernste, duestere, dass ich sonst von der Kirche leider kenne.

Ansonsten sind die Maedchen im Zentrum unglaublich super. Sie sind immer frohlich, gut gelaunt und haben viel Spass hier. Sie benehmen sich wie ganz normale Teenager und wenn man sie so sieht, wuerde ich nie denken, dass sie alle aus ganz armen oder schwierigen Verhaeltnissen kommen. Diese Maedchen sind aufgeweckt und auch nicht auf den Kopf gefallen und ich denke mir immer, was wir eigentlich in Deutschland an Glueck haben. Waeren diese Maedchen da geboren, stuende ihnen die Welt offen. Aber hier ist es fuer eine Frau nicht leicht, das ist leider so und ich hoffe, dass es sich wirklich aendern wird. Die ersten Vorzeichen der Veraenderung sieht man schon, aber wie das so ist, braucht es Zeit! Mir selbst geht es aber prima, der erste Kulturschock ist ueberwunden und die Anpassung und die Eingewoehung laeuft auf Hochtouren

27.10.14 12:41, kommentieren