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Malische Hochzeit

Ich hatte das Glueck an einer malischen Hochzeit teilzunehmen. Geheiratet hat ein ehemaliges Maedchen aus dem Zentrum Jigiya Bon, die hier ihre Krankenschwesterausbildung gemacht hat. Sie heisst Djenebou. Morgens ging es recht frueh los, bei ihrer Familie im Hof. Es waren schon unglaublich viele Menschen da, es wurden Fotos mit der Braut gemacht. Die Frauen waren unglaublich zurechtgemacht, die schicksten Klamotten, Glitzerliedschatten, nachgemalte Augenbrauen, hohe Schuhe, Glodschmuck, etc. Es war eine riesige, bunte Menschenmenge, die sich schon um 9 in den Hof gequetscht hat. Der "Griot", das ist so eine Art Animateur, und eine Frau, die gesungen hat sind auch schon angekommen. Diese zwei sind unentbehrlich fuer eine Hochzeit, wurde mir gesagt. Danach ging der ganze Zug los, zu einer Art Standesamt. Das Paar wurde dort getraut, waehrend wir draussen gewartet haben. Die Fahrt dorthin war schon an sich abenteuerlich, die Autos waren absolut ueberfuellt und jeder wollte der Schnellste sein, weshalb es oft recht abenteuerliche Ueberholmanoever gab. Nach der Trauung ging es dann zu der Familie des Mannes. Dort bekam das Paar noch den Segen von dem maennlichen Teil der Familie und es wurden Bilder mit der ersten Frau des Mannes gemacht. Es muss ein komisches Gefuehl sein, auf einmal nicht mehr die einzige Frau zu sein und den Platz mit einer zweiten teilein zu muessen. Der erste Tanz des frisch verheirateten Paares war auch sehr anders als in Deutschland, es wurde zu Trommelmusik getanzt und eben ueberhaupt nicht klassisch, sondern mit Hueftschwung und einer Menschenmasse, die auch nicht mehr an sich halten konnte und mit eingefallen ist. Danach wurden noch einige Freunde besucht, wo das Paar jeweils noch gesegnet wurde. Die Feier danach wurde unter einem grossen Zelt mitten auf der Strasse abgehalten, das komplett ueberfuellt war. Allerdings habe ich die Braut bis zum Abend nicht mehr gesehen, die ganzen Festlichkeiten sind fuer die Gaeste bestimmt. Die Saengerin singt nacheinander fuer die Brautjungfern und der Griot gibt eben auch seine Kommentare ab und haelt seine Reden. Dazu gibt es Musik und es wird getanzt. Wir aus dem Zentrum waren mit der "1. Brautjungfer" da. Fuer sie wurde als erstes gesungen. Dabei wird ihr dann von allen Seiten Geld zugesteckt, dass ist hier Tradition. Sie hat das Geld dann aber auch an die Saengerin und den Griot weitergegeben. Der Text der Gesaenge besteht eigentlich nur aus Lobpreisungen, wie gross und toll sie ist. Nach und nach wird so fuer die wichtigen Leute gesungen und eben die Menschen unterhalten. Das Essen gab es in grossen Plastikschuesseln, wo wir uns zu ca 5. drum rum gesetzt haben. Gegessen wurde auch mit der Hand. Das Problem bei Hochzeiten ist aber oft, dass Nachbarn und andere Leute sich einfach ne Schuessel mit Essen mitnehmen, um ihre Kinder zu fuettern, sodass nicht alle Gaeste genug zu essen haben. Wir haben uns danach ein wenig an die Seite gesetzt um dem Trubel ein bisschen zu entgehen. Auffaellig fand ich aber, dass eigentlich nur Frauen da waren. Auf meine Frage hin, wurde mir gesagt, dass Hochzeiten halt Frauensache ist und die Maenner eher zu Hause bleiben. Naja, auch gut...Die Feier unter dem Zelt hat sich dann bis zum Abend hingezogen, bis wir wieder zu der Familie der Braut gegangen sind. Dort wurde in einem kleinen Raum auf einer Kalebasse getrommelt und traditionelle Lieder gesungen. Es war heiss wie in einer Sauna, weil so viele Leute sich in den Raum gequetscht haben. Es wurde dann noch abend gegessen. Dann habe ich die Braut wieder gesehen, gewaschen, ohne Schminke und Hochzeitskleid, in einem traditionellen, einfachen Kleid. In einem Zimmer war ein kleiner Topf mit Kraeutern, ueber den sie sich gestellt hat, waehrend von Mutter und 1. Brautjungfer und noch 2 anderen Frauen Gebete gesprochen wurden. Die Braut wird dann traditioneller Weise von der Schwester des Mannes aus dem Haus gefuehrt. Sie traegt einen Schleier, der ihren Kopf bedeckt. Kurz bevor sie das Haus verlaesst, wird sie von der Frau ihres Bruders versucht aufzuhalten. Sie sagt, dass Djenebou den falschen Mann gewaehlt hat und es ist an der 1. Brautjungfer dagegen zu argumentieren. Dann ging es zu ihrem neuen Haus, bzw. Zimmer. Das ist noch leer, bis auf eine Matte am Boden und ein Mosquitonetz. Dort zieht sich die Braut wieder um, ein ganz schlichtes weisses Gewand, setzt sich auf das Bett und wartet auf ihren Mann. An dem Punkt war die Hochzeit fuer uns vorbei, ich war fast 12 Stunden da. Nach der Tradition bleibt die Braut eine Woche auf dem Zimmer, darf es nicht verlassen und traegt auch immer das weisse Kleid. Sie darf allerdings Besuch empfangen. Wir waren nach einer Woche nocheinmal da. Sie hat auch in dem Sinne Glueck, dass ihr Mann genug Geld hat, dass sie nicht in der gleichen Wohnung wie die 1. Frau leben muss. Jede hat ihr eigenes Zimmer in einem anderen Hof.

Ich muss sagen, dass diese Hochzeit total anders ist, als alles, was ich sonst ueber Hochzeiten kenne. Es ist bunt, laut, voll und garnicht so wie das strenge, traditionelle, foermliche, feierliche, dass ich sonst erlebt habe. Es ist definitiv Geschmackssache, aber es war eine tolle Erfahrung und ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte!

26.12.14 18:08

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