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Voyage, Voyage

Ich hatte das große Glück für 10 Tage eine einmalige Reise drch Mali zu machen. Unsere kleine Gruppe bestand aus 5 Leuten, plus Guide, und hatte damit eine sehr angenehme Größe. Los ging es früh morgens in Bamako, direkt nach Segou. Dort sind wir mit einer Pirogge ein Stück den Niger langgefahren um zu einer Insel zu kommen, worrauf ein ’’Töpferdorf’’ ist. Die Menschen dort formen tolle Tontöpfe und Gefäße (per Hand, ohne Drehscheibe), die dann unter riesige Stroh- und andrere Gräsersortenhaufen gelegt werden. Diese werden dann angezündet! Das ist ein Schauspiel, wenn 3 von diesen riesen Haufen brennen, erzeugt das eine unglaubliche Hitze und der Himmel verdunkelt sich richtig mit Rauch. Trotzdem gehen die Frauen noch sehr nah daran um nachzulegen, wo ich schon lange weiter Abstand gesucht habe. Wir hatten auch wirklich Glück mit dem Wetter, es war recht verhangen und nicht zu heiß. Am nächsten Tag der Reise haben wir Alt-Segou besichtigt. Es gibt dort wunderschöne Lehmbauten, es liegt am Niger, es gibt Gärten, wir haben den Dorfältesten besucht und ein wenig über die Dorfgeschichte und Traditionen gelernt. Natürlich durfte der Ausblick von einem Hausdach nicht fehlen und auch nicht die Überfahrt mit einer Pinasse zu den Gärten, die auf kleinen Inseln liegen. Dort sind auch die Viehherden, wenn sie durch das Wasser getrieben werden, reiten ihre Hirten oft auf den Kuhrücken, oder es wird durchgewatet ( was da wahrscheinlich die bessere Idee ist, wir mit unserer Pinasse sind fast gekentert!!). Danach haben wir noch eine unglaublich tolle Bogolanwerkstatt besucht. Wir durften selbst kleine Stoffstückchen mit Nigerschlamm bemalen, uns wurden die Symole erklärt, gezeigt, wie die Farben zustande kommen (alles Natur) und auch das Atelier gezeigt. Diese Werkstatt hat den Sinn, den Jugendlichen dieses Wissen weiterzugeben, damit es nicht verloren geht, sie aber auch künsterlich zu fördern und ihnen eine Verdienstmöglichkeit zu geben. Danach ging es weiter nach Djenné, welches wir am Abend erreichten. Djenné ist ein großes muslimisches Zentrum mit vielen Koranschulen und eben auch der berühmten Moschee. Halbjährlich ist es auch eine Insel, wir sind auch mit der Fähre rüber gefahren, obwohl das Wasser nicht tief ist, man könnte auch mit dem Auto durchfahren, während der Regenzeit aber geht das nicht mehr. Es war Markttag in Djenné, das heißt, die Stadt war gerammelt voll, es hat natürlich aber auch Spaß gemacht, über den Markt zu schlendern und sich von dem Warenangebot reizüberfluten zu lassen. Die Moschee ist auch ein unglaublich beeindruckendes Gebäude, leider aber nicht mehr für Touristen zugänglich, seit eine italienische Gruppe in der Moschee Bikiniaufnahmen gemacht hat. Trotzdem konnte unser Guide einen kurzen Rundgang organisieren und es war wirkich beeindruckend, die Architektur ist toll, mit riesiegen Bögen und es ist einfach ein besonderer und feierlicher Ort, an dem so viele Menschen Gott ihre Sorgen und Hoffnungen anvertrauen. Nach Djenné ging es weiter ins Dogonland. Wir sind drei Tage in Bandiagara geblieben und haben von dort aus verschiedene Dörfer besichtigt. Da wäre einmal Niongono, ein Dorf, dass auf einem riesigen Steinhügel steht, den die Frauen und Kinder Tag für Tag runter und wieder raufklettern müssen, um Wasser in Eimern zu schleppen oder zur Schule zu gehen. Von oben hat man aber eine atemberaubende Sicht, der Horizont erstreckt sich zu allen Seiten unglaublich weit, sodass man das Ende nicht sieht, man fühlt sich wie der einzige Mensch auf der Welt, es vermittelt so einen riesigen Eindruck von Weite und Freiheit, in Mali ist so viel Platz! Das nächste Dorf heißt Songho. Dort haben wir den rituellen Beschneidungsplatz für Jungen besucht. Es ist dort verboten für einheimische Frauen hinzukommen. Alle drei Jahre gibt es einen bestimmten Zeitraum, in dem die Jungen aus den benachbarten Dörfern für die Beschneidung zusammenkommen. Es ist ein großes Fest mit Musik und am nächsten Tag kommt der männliche Teil der Familie des Jungen wieder hoch und malt ein Bild an die Wand, ihr könnt euch vorstellen, dass die Wand voll ist! Auch interessant dort war zu sehen, wie mit Baumwolle gearbeitet wurde, die Frauen haben das von Hand gesponnen und danach wird es von Männern auf den alten Webramen von Hand zu diesen tollen Baumwollbändern gewebt. Zu dem nächsten Dorf -Teli- sind wir ein unglaublich wunderschönes Felsenplateau runter gefahren, alles grau und einfach so so so riesig! In Teli selbst ist ein großer Teil der alten Speicher, aber auch Wohnungen, unter einem Felsenüberhang, den man erstmal hochklettern muss! Das war als Schutz gedacht, wenn das Dorf angegriffen wird und dort werden auch die Toten beerdigt. Was man aber in all diesen Regionen schmerzlich zu spüren bekommt, ist, dass die Leute keine Einnahmequelle mehr haben, da durch die ganzen Krisen in Mali keine Touristen mehr herkommen. Deswegen wird man selbst umso mehr bestürmt, aber es ist verständlich: Ein kompletter Arbeitszweig ist weggefallen, die Menschen haben so ihre Familien ernährt. Ganze Dörfer haben nur wegen den Touristen gut leben können, jetzt gehen die Kinder in die Städte um Geld zu verdienen und ihren Familien zu schicken. Was mich auch schnell wieder in die Realität zurückgeholt hat, ist, dass das Leben auf den Dörfern sich so von dem Leben in Bamako unterscheidet. Hier in Bamako ist alles verfügbar: Wasser, Strom und Schulen. Auf den Dörfern müssen die Meschen teilweise ohne auskommen oder Kilometerweit dafür laufen, es ist so, wie man Afrika im Fernseher sieht, leider. Und so schön und romantisch die Dörfer auch aussehen mögen, das Leben dort ist extrem harte Arbeit und ich bewundere die Menschen unglaublich, dass sie das ihr Leben lang machen. Am nächsten Tag hatten wir das Glück, bei einer Schuleinweihnung zu sein. Häuser der Hoffnung hat den Bau finanziert und wir wurden mit einem riesigen Fest empfangen, die Honorationen der Umgebung waren da, die Kinder haben Tänze und Sketche aufgeführt, es gab den traditionellen Dogonmaskentanz und wir wurden auch mit Geschenken und Essen überhäuft. Allein der Empfang an der Straße war schon toll: Das ganze Dorf ist gekommen um uns abzuholen, mit Trommelmusik, Gewehrschüssen, bemalten Plakaten und Geschrei. Die Dankbarkeit dieser Menschen ist so unglaublich, vielen hat das Projekt mit der Schule das schönste Geschenk ihres Lebens gemacht, weil ihre Kinder jetzt die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen und dafür nichtmehr ewig laufen müssen. Eine andere Begegnung hat mich auch zutiefst berührt, aber im negativen Sinne leider. Auf dem Weg haben wir bei 2 einfachen Stohhütten angehalten, die zu den Nomadenfamilien gehören, die Männer ziehen mit den Viehherden herum, während die Frauen dort bleiben. Die Peul-Frauen bekommen nach der Verlobung traditionelle Tätowierungen um den Mund gemacht, dazu werden 8-12 Nadeln zusammengenommen und dann unterhalb des Mundes immer wieder in die Haut gestochen. Danach wird eine Paste aus Holzkohle, Henna und Karietébutter reingeschmiert. Nach der Hochzeit wird dies oberhalb des Mundes nochmal wiederholt. Als ich dann das 13 jährige Mädchen mit diesen 2 Tätowierungen gesehen habe, war das nicht nur zur Mode. Die Mädchen werden nach Einsetzen ihrer ersten Periode verheiratet (von den Eltern), haben mit 18 schon ca 3 Kinder und die Lebenserwartung liegt bei 40-50 Jahren. Das ist eben auch die malische Realität. Es ging weiter nach Mopti, dort war ebenfalls Markt und nach der ganzen Weite und Freiheit kam ich mir in dem Gedränge der Stadt erstmal ziemlich eingeengt vor. Wir haben aber wieder eine schöne Bootstour auf dem Niger gemacht, ein unglaublich armes Fischerdorf besucht, und am nächsten Tag ging es auch schon weiter zu der nächsten Schuleinweihung, diesmal nach Yure. Auch dort hat das Projekt Häuser der Hoffnung eine Schule gebaut und den Menschen Hoffnung gegeben. Die Feier war wieder unglaublich berauschend, wir wurden so freundlich empfangen und bewirtet, die Menschen haben wirklich nichts, teilen aber alles. Da es zu Unruhen etwas weiter nördlich von uns kam, sind wir früher als geplant wieder nach Süden aufgebrochen, mit einem kurzen Stopp in Teryabugu ging es weiter nach Sikasso. Dort gab es den absoluten Luxus für mich: Eine heiße Dusche!! Wir haben uns in die Kultur der Senoufo einführen lassen, tolle Staturen angeschaut, Musik genossen und zahlreiche Hochzeiten gesehen (es war Sonntag) und auch danach haben wir die Grotten von Missirikoro besucht, ein heiliger Ort für Muslime und Animisten. Dort waren wir in der Moschee, an Orten wo Tiere geopfert werden (Das alte Blut, die Knochen und die Federn waren mir Beweis genug) und wo auch angeblich Dschinn wohnen. Es war auf jeden Fall ein sehr besonderer Ort. Danach ging es weiter nach Bougouni und von da aus nach Siokoro, wo wir uns die Fabrik für Karietékörperbutter angeschaut haben, die ich zwar schon kannte, ich habe mich aber sehr gefreut die Leute da wiederzusehen. Von da aus ging es nach Bamako, wo ich heil, müde und glücklich ankam. Diese Reise war so unglaublich toll und ich bin sehr dankbar, dass ich das miterleben durfte. Ich habe Mali von einer anderen Seite kennengelernt, da sich das Leben total von dem in der Hauptstadt unterscheidet. Mali hat sich langsam aber sicher in mein Herz geschlichen.

28.1.15 21:57

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